Freihandfotografie

Ich experimentiere seit einiger Zeit damit herum, mein Teleskop auch zur Astrofotographie zu nutzen. Dazu steht ein längeres Projekt im Raum, bei dem ein Raspberry Pi samt Kamera zum Einsatz kommen soll, um Bilder zu machen.

Um zu gucken, wie das ganze aussieht, wenn man mit einer einfachen CCD-Kamera vor dem Objektiv ein Bild schießt, habe ich gestern mal die Kamera von meinem Handy vor das Teleskop gehalten.

Für die widrigen Bedingungen, ist das ganze ganz gut geworden. Das Seeing war eher mäßig, und die Aufnahme ist durch das Teleskop am offenen Fenster entstanden (jeden Hobbyastronomen wird es bei der Vorstellung gruseln, die Luftbewegung durch den Temperatur unterschied zwischen drinnen und draussen, machen scharfe Bilder fast unmöglich).

Die Kamera wurde dabei freihändig vor das Objektiv eines 102/660 Refraktors gehalten, mit einem 9mm Objektiv (Vergrößerung 73x). Das Ergebnis, dass ich kaum nachbearbeitet habe, ist dafür gar nicht so übel geworden.

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Foto von Alexander Noack, Lizenz Creativce Commons CC-BY 3.0

 

Das BKA und die Hacker

Ursprung

Vor ein paar Tagen wurde ich auf eine kleine Anfrage des Linken Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdabel aufmerksam gemacht. Zdabel hatte sich nach dem Stand eines vom Bundeskriminalamt initiierten Forschungsprojekts zum Thema Hacktivismus erkundigt. Das BKA will dabei offenbar überhaupt erstmal herausfinden was es mit dem Begriff überhaupt auf sich hat, und welche Wege es hat, gegen dieses Phänomen vorzugehen.

Leider liegen die Ergebnisse der Studie noch nicht vor; obwohl laut der Anfrage das Projekt seit dem 2. Januar 2013, also seit fast zwei Jahren, seine Arbeit aufgenommen hat, rechnet man wohl nicht vor Ende 2015 mit Ergebnissen.

Dass sich Behörden, aber auch der Gesetzgeber, mit dem Thema etwas intensiver auseinander setzen müssen, haben nicht zuletzt die Ereignisse um einen groß angelegten DDoS-Angriff gegen die Webseiten der GEMA gezeigt.  Ein Nutzer der sich AnonLulz nennt, hatte aus Protest gegen den andauernden Rechtsstreit zwischen der GEMA und YouTube um Aufführungsrechte im Internet, zum DDoS gehen die die GEMA-Seiten aufgerufen. Unbekannte veröffentlichten daraufhin ein Video mit dem Aufruf, und einer Anleitung, das Programm Low Orbit Ion Cannon für den Angriff zu nutzen.

Der Aufruf war so erfolgreich, dass die Webseiten der GEMA zwischenzeitlich nicht mehr erreichbar waren. Nachdem die GEMA Strafanzeige erstattet hatte kam es zu insgesamt 106 Hausdurchsuchungen. Man war wohl davon ausgegangen, dass es sich bei den Angreifern um einen gut organisierten Ring von Mitgliedern einer „Piraterei-Mafia“ handele. Stattdessen traf man auf miteinander gar nicht vernetzte Teenager, bzw. deren Eltern, und in nicht wenigen Fällen waren die ermittelten „Urheber“ des Angriffs selbst Opfer von Angriffen; ihre gekaperten Rechner waren als Proxies für den eigentlichen Angriff missbraucht worden. Das, freilich, hinderte die Behörden nicht, die Hausdurchsuchungen trotzdem durchzuziehen, und alles mit zu nehmen, was nicht niet- und nagelfest ist, und auch die völlig unbeteiligten mit Strafverfahren zu überziehen.

Letztlich ist also die Idee , dass sich die Behörden und die Politik etwas eingehender mit dem befassen, was unter dem Label Hacktivismus passiert. Allein, viel Erfolg scheint das bislang nicht gezeitigt zu haben. Die Stellungnahme der Bundesregierung (PDF, ab Seite 47) zu der Frage des Abgeordneten Zdabel lässt jedenfalls darauf schließen, dass auch die antwortende Staatssekreärin Dr. Emily Haber nicht viel mehr weiß, als vor zwei Jahren.

Die nachfolgende Begriffsdefinition wurde zur Abgrenzung von an-
deren Phänomenen wie beispielsweise dem Hacking zugrunde ge-
legt.
„Der Begriff ,Hacktivismus‘ beinhaltet die Konzepte Hacking und
Aktivismus: Das Nutzen von Hacking- bzw. IuK-Tools für die Ver-
deutlichung und Durchsetzung bestimmter politischer wie sozialer
Ziele (Ideologien) bildet die Schnittmenge beider Konzepte. Die Ha-
cking-Tools werden hierbei u. a. für Protest- und/oder Propaganda-
zwecke eingesetzt und sind nicht profitorientiert, d. h. hacktivistische
Taten zielen nicht darauf ab, illegal materielle und finanzielle Gewin-
ne zu erzielen.“

Schon der Versuch der Abgrenzung des Hacktivismus vom Hacking scheitert hier an einer klaren Definition davon, was Hacking eigentlich ist. Für Frau Dr. Haber besteht der Unterschied vor allem darin, dass Hacker kriminelle Tätigkeiten durchführen, zum Zwecke der persönlichen Bereicherung. Wenn das BKA mit der gleichen Begriffsdefinition in die Hackerszene geht, werden am Ende wieder nur Hausdurchsuchungen bei Teenagern durchgeführt, oder Benutzer wegen des Vergehens ein Terrminal zu benutzen, verhaftet.

Anders als in den Medien, wird in der Szene der Begriff des Hackens nicht, oder nur selten, auf das Einbrechen in fremde Computersysteme angewandt. Als Hacking bezeichnet man letztlich jede Art des kreativen Umgangs mit Technik. Wenn ich das Steuergerät meines Teleskops neu verdrahte, um stattdessen einen Raspberry Pi dranzuklemmen, dann ist das Hacking. Von strafrechtlicher Relevanz ist es jedoch meilenweit entfernt.

Szene? Welche Szene?

Darüber hinaus zeigt die Antwort von Dr. Haber meiner Meinung nach ein paar Schwächen des Ansatzes auf, die zeigen, wie schwierig es ist, sich dem Thema zu nähern.

1. Basis-Phänomenologie: Daten zu Vorgehensweise inkl. Zeitpla-
nung, Verschleierungstechniken und Kommunikations- und Lo-
gistikinfrastruktur,
2. Szene-Trend: Zusammenführung von Informationen zu Entwick-
lungen, Trendwechseln, aktuellen Szenedynamiken und Schäden,

Beide Anforderungen gehen davon aus, dass es so etwas wie eine Hacktivismus-Szene überhaupt gibt, die sich, ähnlich wie die Anti-Atom-Bewegung oder die Startbahn-West-Gegner in der achtziger Jahren, auf ein festes Netzwerk von Menschen zurückführen lässt, dessen Verhalten, Ziele usw. man ausforschen und beobachten kann.

Gerade das bekannteste Hacktivismus-Mem, Anonymous, ist aber ein Beispiel dafür, dass genau dies nicht der Fall ist. In den Medien und in der Politk ist im Zusammenhang mit Anonymous immer wieder von einem Hacker-Kollektiv oder einer Hacker-Gruppe die Rede. Das ist aber nicht richtig. Bei Anonymous handelt es sich gerade nicht um eine Gruppe von Leuten, die sich Aktionen ausdenkt. Anonymous ist vielmehr ein Symbol für Hacktivismus. Jeder kann es benutzen. Wer eine eine Aktion machen will ruft unter diesem Symbol dazu auf. Dann funktioniert das Ganze ein bisschen wie Kickstarter: Wenn sich genügend Unterstützer hinter einer Idee versammeln, gerät die Sache ins Rollen.

So gibt es unter dem Label Anonymous so unterschiedliche Aktionen, wie den Angriff auf die GEMA-Webseiten, während in Mexico Aktivisten versuchen,  Drogenkartellen die Unterstützung zu entziehen. Wichtig dabei ist es, zu verstehen, dass beide Gruppen nicht miteinander in Verbindung stehen, und auch nichts miteinander zu tun haben.

Anonyomous kann jeder sein, der etwas tun will, oder etwas zu sagen hat. Das macht das Symbol natürlich auch anfällig Missbrauch, aber gleichzeitig ist es eine Stärke, denn es ermöglicht zum Beispiel den Gegnern mexikanischer Drogenkartelle unerkannt zu operieren, was angesichts der ungeheuerlichen Brutalität dieser Kartelle absolut notwendig ist.

Kriminell?

Wie bei allen Formen des politischen Aktivismus, stellt sich auch beim Hacktivismus die Frage, wie viel Zweck die Mittel noch heiligt. Hacktivismus ist, in vielen Fällen, eine Form des zivilen Ungehorsams, der naturgemäß nicht immer mit Recht und Gesetz im Einklang steht.

So haben im Prinzip z.B. auch Nazis das Recht einen Aufmarsch zu machen, solange sie dabei keine Straftaten begehen. Und trotzdem versuchen immer wieder Menschen sich den Nazis in den Weg zu stellen. Zu Recht, denn wer sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus befasst, weiß, wo es hinführt, wenn man sich Nazis nicht in den Weg stellt.

Auch in anderen Fällen, wie zum Beispiel der Anti-Atom-Bewegung, gibt es zivilen Ungehorsam. Im Falle von Sitzblockaden haben sogar Gerichte festgestellt, dass diese -obwohl formal gesehen eine Ordnungswidrigkeit- legitime Formen des Protests sein können.

Eine freiheitliche Gesellschaft lebt von solchen Regelverstößen, weil diese ein notwendiges Mittel sind, den Status Quo zu verändern.

Neue Technologien bringen auch immer neue Mittel der politischen Auseinandersetzung, und die Digitalisierung verändert die „Schlachtfelder“ des politischen Diskurses so stark wie noch nie.

Daher ist die Idee einer solchen Studie eigentlich gar nicht so schlecht, sie könnte die Ausgangsbasis sein, für eine breit angelegte Gesellschaftliche Debatte darüber, wie wir als Gesellschaft in unserer vernetzen Welt in Zuzkunft mit politischem Aktivismus umgehen sollen, und was ziviler Ungehorsam in einer digital vernetzten Umwelt bedeutet.

Allein, ich befürchte, die Öffentlichkeit wird die Ergebnisse dieser Untersuchung gar nicht zu Gesicht bekommen, sondern allenfalls eine Liste der allbekannten Forderungen nach noch mehr repressiven und präventiven Eingriffsbefugnissen für die Polizeibehörden, die sich -in wohlbekannter „alles Verbieten“ Manier- ein weiteres großes Stück vom Kuchen abschneiden wollen.

Zu unserer Sicherheit natürlich.

I Should Fly

Es ist schon echt krass! Seit 76 Jahren werden wir belogen!

Es wäre eigentlich so einfach: Vor 76 Jahren entdeckte Albert Hofman eine geradezu wundersame Substanz: Lysergsäurediethylamid, auch LSD genannt. Unzählige Menschen die den Wunderstoff ausprobiert haben, berichten von seiner wunderbaren Wirkung. Denn LSD verleiht Flügel!

Hunderte von LSD-Nutzern berichten davon, dass sie nach Einnahme der Wundersubstanz fliegen konnten. Ganz einfach so. Schon in geringsten Mengen kann die Substanz einen Menschen in die Luft erheben. Man fliegt, nur gelenkt durch seine Gedanken zu jedem Ort den man erreichen will!

Aber leider war die Erkenntnis, dass der Mensch des Fliegens mächtig ist politisch unerwünscht. Kaum breitete sich die Kunde über den Wunderstoff aus, wurde schon von der Seite der „Wissenschaft“ dagegen „argumentiert“.

Die Konsumenten würden sich das Flugerlebnis nur einbilden, hieß es. LSD würde Halluzinationen auslösen. Von „Horrortrips“ war da plötzlich die Rede, und dass die Substanz Psychosen auslösen würde.

Physiker argumentierten menschlicher Flug sei gar nicht möglich, da eine Kraft dagegen wirke, die Menschen am Boden hält. Schwerkraft nennt die Wissenschaft diese angebliche Kraft, die natürlich streng wissenschaftlich bewiesen ist. Die Kraft ist unsichtbar und wirkt ohne eine sichtbare Verbindung. Für Vögel und Flugzeuge gilt sie aber nicht! Uns, denen wir die Wahrheit kennen werfen sie aber Wahnvorstellungen vor! Den Beweis, dass LSD uns nicht fliegen lässt, hat noch keiner dieser Wissenschaftler antreten können!

Warum würde der Staat eine so wundervolle Entdeckung unterdrücken wollen? Ganz einfach: Es gibt eine milliardenschwere Industrie, die alle unsere Transportbedürfnisse erfüllt. Sie bauen Autos, die mit Benzin angetrieben werden, dass unsere Umwelt vergiftet. Und Flugzeuge, die mit noch giftigeren Chemikalien betrieben werden, und die obendrein Substanzen versprühen, die uns abhängig machen und uns davon abhalten die Wahrheit zu erkennen!

Man stelle sich vor, die Menschen würden plötzlich die Wahrheit erkennen. Niemand würde mehr mit dem Auto zur Arbeit fahren, oder mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen! Die Menschen wären frei, und die riesige Automobil und Luftfahrtindustrie würden untergehen! Und mit ihr die zahllosen „Wissenschaftler“, die uns mit ihren Studien für dumm verkaufen wollen, und dafür riesige Schecks von der Transportmafia erhalten!

Lasst euch das nicht länger gefallen! Nehmt mehr LSD!

P.S.: Falls ihr jetzt denkt: „Scheiße, jetzt hat es den Jali aber erwischt!“ Nein, hat es nicht. Ich habe mal ein paar der „Argumente“ in zusammengeschrieben, die ich in verschiedenen Foren zum Thema MMS geschrieben wurden, und die Wunderbehauptungen über Chlorbleiche mal durch welche über LSD und menschliches Fliegen ersetzt. Klingt total schwachsinnig? Ist es auch. Die Argumentation für MMS läuft aber genauso ab. Klingt gleich viel besser wenn man den Blödsinn durch richtig offensichtlichen Blödsinn ersetzt oder?

Das Netz gehört den Schulbuchverlagen!

Zumindest wenn es nach der offiziellen Aufklärungsbroschüre geht. Im Rahmen dieser Schultrojaner Sache habe ich mal einen Blick auf die Seite Schulbuchkopie.de geworfen, die Lehrern erklären soll, welche Rechte sie zukünftig beim erstellen von Kopien haben.

Sehr spannend sind dort einige Punkte unter „Fragen und Antworten“:

Kann ich Seiten aus dem Internet herunterziehen, ausdrucken und in Klassensatzstärke kopieren?

Ja. Sofern lediglich bis zu 12 % (max. 20 Seiten) des im Internet aufgefundenen Werkes ausgedruckt und kopiert werden und es sich dabei nicht um Inhalte aus Schulbüchern oder sonstigen Unterrichtsmaterialien handelt.

Davon, welche Seiten im Internet davon betroffen sind, ist nirgendwo die Rede. Das Vertragswerk geht auf Internetveröffentlichungen gar nicht ein. Natürlich gilt das nur für Seiten, für deren Inhalt die VG Wort oder eine der anderen am Vertrag beteiligten Verwertungsgesellschaften Vertretungsansprüche hat.

Da man von Lehrern wohl kaum erwarten kann, dass sie aus dem Kopf wissen, für welche Internetseiten die VG Wort die Vertretungsrechte hat, bedeutet diese Aussage letztlich nichts anderes, als das die VG Wort sich hier vertraglich das Recht zusichern lässt, von Schulen Geld zu nehmen, für die Verwendung von Inhalten, für die sie die Verwertungsrechte unter Umständen gar nicht hält.

Wir sollten Lehrer darüber informieren, dass sie selbstverständlich Inhalte, die z.B. unter einer Creative Commons Lizenz stehen, vollkommen unabhängig von dieser Vereinbarung nutzen dürfen (und die Autoren das ausdrücklich so wollen!). Gerade im Bereich Medienbildung und Politik gibt es durchaus Quellen zu politischem Tagesgeschehen, die für den Unterricht interessant sein können, und die nicht einem der Vertragspartner gehören. Ich gehe mal sehr davon aus, dass der Vertrag nicht im Sinne der obigen Aussage gemeint ist, und die Ansprüche der VG Wort sich nur auf Werke ihrer Mitglieder erstrecken, was allerdings den Schluss nahelegt, dass die VG Wort davon ausgeht, dass alle Inhalte im Internet ausschließlich von ihren Mitgliedern stammen. Das legt zumindest eine gewisse Realitätsferne nahe.

Es gibt aber noch mehr:

Für meinen bilingualen Geschichtskurs möchte ich Texte und Bilder aus einem amerikanischen Geschichtsbuch kopieren. Darf ich das?

Ja. Es dürfen bis zu 12 % des gesamten Geschichtsbuches (max. 20 Seiten) kopiert werden. Auch einzelne Bilder dürfen kopiert werden.

Auch dies kann eigentlich nur für Werke gelten, für die die VG Wort in Deutschland die Verwertungsrechte hält. Ich bin kein Anwalt, aber in Fällen in denen die Rechte bei amerikanischen Verlagen liegen, die nicht von der VG Wort vertreten werden, müsste doch eigentlich die Fair Use Doktrin des US-Copyright greifen. Und die lässt, obwohl umstritten, sehr viel mehr zu als der Vertrag.

Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass es bei der „Aufklärung“ über die neuen Regeln weniger um eine sachliche Darstellung des Vertragsinhalts geht, sondern um eine geziehlte FUD-Strategie, die Lehrer und Schulen verunsichern soll, um die Pfründe der Verlage zu sichern, und den Gedanken sich im Netz nach freien alternativen für Lehrinhalte umzusehen, bereits im Keim ersticken soll.