Zu den Attacken in Norwegen

Aktuell spricht die Presse von inzwischen schon 84 Toten allein bei dem Angriff auf der Insel Utøya. Zusammen mit den Toten von Oslo sind das jetzt 91 Todesopfer, die zu beklagen sind.

Für Norwegen ist dieses, man kann es nicht anders nennen, Massaker ein Trauma von der Größe der Anschläge vom 9. September 2001 in New York. Dennoch erscheinen die Hintergründe andere zu sein. Nach bisherigen Informationen war hier ein Einzeltäter am Werk, der offenbar aus rechtsradikalen Kreisen stammt. Es ist möglich, dass der Täter es auch auf Premierminister Jens Stoltenberg abgesehen hatte, der eigentlich nach Utøya hätte kommen sollen, und auch in Oslo ein Büro hatte, das bei dem Bombenanschlag zerstört wurde. Vergleiche zu den Anschlägen von Oklahoma City drängen sich auf.

Unter anderem heißt es bei der BBC nun, die Norweger seinen naiv gewesen, weil sie eine derartig offene Gesellschaft haben, in der Politiker, sich mit minimalem Schutz unter der Bevölkerung bewegen. Der Park um den Königspalast ist ein öffentlicher Park, und wer Glück hat, kann die königlichen Hoheiten ganz nah und in Farbe kommen und gehen sehen.

Niemand schließt in Norwegen sein Haus ab, und die wenigsten Grundstücke sind eingezäunt. Das allemansretten, das Jedermannsrecht, erlaubt es jedem, Wald und Wiesen zu betreten, und die Früchte der Natur zu genießen, unabhängig davon, wem das Land gehört. Diese Transparenz und Offenheit sollte man aber nicht mit Naivität verwechseln: Die Norweger ist ein durch und durch politisiertes Volk, politische Partizipation gehört quasi zum guten Ton. Diese Art zu leben ist eine ganz bewusste Entscheidung.

Diese Art zu leben war wohl auch das Ziel der Anschläge. Jens Stoltenberg verteidigte diese Werte heute mit den Worten:

The answer to violence, is even more democracy. Even more humanity

Ich hoffe die Norweger finden die Kraft mit dieser Tragödie umsichtig umzugehen, und sich nicht vom Terror einiger weniger ihre Freiheit nehmen zu lassen.

Yesterdays news

Normalerweise ist es kein Grund zur Freude, wenn eine Zeitung ihren Betrieb einstellt. Besonders dann, wenn der Grund nicht wirtschaftlicher Natur ist. Wie gesagt, normalerweise. Am vergangenen Donnerstag gab der Vorsitzende des Verlages News International, James Murdoch, in einer Stellungnahme bekannt, dass am kommenden Sonntag, den 10. Juli 2011, die letzte Ausgabe der Zeitung News of the World erscheinen wird.

Die News of the World erschien erstmals 1843 als Sonntagszeitung im Tabloid-Format . Mit einem Preis von nur drei Pence (ca. £1 nach heutigem Geld) war die Zeitung von Beginn an auf die Bedürfnisse der working class people, also der Arbeiterklasse ausgerichtet, deren Alphabetisierung zu jener Zeit massiv voran schritt. Schon in der Anfangszeit waren die Quellen für Themen vor allem Geschichten über Kriminalfälle, reißerische Darstellungen, z.B. über Prostitution, und über die Skandale und das Leben der Upper Classes. Als erste Zeitung dieser Art, prägte sie, nicht zuletzt durch ihr optisches Erscheinungsbild bald das Bild des Red Top Tabloids, wie kaum eine andere Zeitung und diente als Vorbild für Zahlreiche andere Publikationen wie The Sun, oder den Daily Mirror.

1969 wurde die Zeitung vom australischen Medienmogul Rupert Murdoch aufgekauft, der schon zahlreiche ähnliche Blätter besaß. In der Murdoch-Ära konzentrierte die Zeitung sich noch mehr auf Prominenten-Klatsch Geschichten, und brachte einige Karrieren zu Fall. Ihrem Ruf, selbst im Boulevard-Journalismus, in dem es traditionell, vor allem in Großbritannien, besonders ruppig zugeht, zu den rücksichtslosesten zu gehören wurde die Zeitung immer wieder gerecht. So unternahm das englische Model Caroline Cossey 1981 einen  Selbstmordversuch, nach dem die Zeitung ausführlich über ihre Transsexualität berichtet hatte.

Auch britische Königshaus  war immer wieder ein beliebtes Ziel der Zeitung. Ausführliche Berichte über den Alkoholkonsum des damals minderjährigen Thronfolgers Prinz Harry fanden weltweite Resonanz, und brüskierten das Königshaus.

Im Jahre 2008 veröffentlichte die News of the World ein Video, das den damaligen Formel-1 Chef Max Mosley bei sadomasochistischen Sex-Spielen mit zwei Prostituierten zeigte, und behauptete es handele sich um „Sex-Spiele im Nazi-Kostüm“. Ein Gericht sprach Mosley später £60.000 Schmerzensgeld zu, und verurteilte die Zeitung zu einer empfindlichen Strafe.

Einen ersten Höhepunkt erreichte die Kontroverse um die Zeitung im Jahr 2000, als die News of the World nach dem Mord an der neunjährigen Sarah Payne eine Kampagne startete, um ein Gesetz zu erzwingen, dass den Bürgern -nach Vorbild der USA- Einblick in das Sex Offenders Register erlaubt, damit diese sehen können, ob in ihrer Umgebung ein Sexualstraftäter lebt. Das Blatt veröffentlichte dabei Fotos mit Namen und Anschriften von tatsächlichen und vermeintlichen Sexualstraftätern. Diverse Personen mussten unter Polizeischutz gestellt werden, ein Mann wurde bei einem Angriff schwer verletzt, weil er verletzungsbedingt eine medizinische Halskrause trug, wie sie auch einer der Abgebildeten auf dem Foto trug. Das Haus einer Kinderärztin wurde von einem aufgebrachten Mob zerstört, weil die Zeitung ihre Anschrift veröffentlichte hatte, wohl weil man in der Redaktion den Unterschied zwischen Paedophile und Paediatric (Kinderarzt) nicht kannte. Die Zeitung machte kaum einen Hehl daraus, dass die Angriffe auf Unbeteiligte ein gewollter Effekt der Kampagne waren: So sollte Druck auf die Regierung ausgeübt werden, das geforderte Gesetz zu erlassen.

Das Ende der Zeitung ergab sich aber aus einer Affäre, die bereits seit einigen Jahren andauert, und als Phone-Hacking-Scandal bekannt wurde. Im Jahre 2005 veröffentlichte die Zeitung einige Berichte über eine angebliche Knieverletzung Prinz Williams, über die aus dem Buckingham Palace noch nichts berichtet worden war. Im August 2006 wurde der Hofberichterstatter der News of the World, Clive Goodman, unter dem Verdacht verhaftet, illegal Telefongespräche der Mitglieder des Königshauses abgehört zu haben. Bei der Gerichtsverhandlung im November bekannten sich Goodman und sein Mitangeklagter, der Privatdetektiv Glenn Mulcaire, schuldig im Sinne der Anklage. Der Chefredakteur der News of the World, Andy Coulson, wird mit der Aussage zitiert:

I have put in place measures to ensure that they will not be repeated.

Im Januar 2007 wurden Goodman und Mulcaire zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt. Coulson trat von seinem Amt als Chefredakteur zurück.

Im Juli 2010 veröffentlichte der Guardian eine Coverstory, laut der die News of the World unter der Leitung von Andy Coulson die Zugangsdaten von Voicemailboxen und E-Mail-Konten von mehr als 3000 Prominenten aus Showbusiness und Politik gesammelt haben sollen. Die vom Guardian veröffentlichte Liste enthielt unter anderem die Namen des damaligen Vize-Premierministers Lord Prescott und des Bürgermeisters von London, Boris Johnson. Die Anschuldigungen wurden von Scotland Yard bestätigt.

Im Laufe der Ermittlungen wurden die Aussagen Andy Coulsons, der inzwischen Pressesprecher des Premierministers David Cameron war, er habe von den Abhöraktionen nichts gewusst, immer zweifelhafter. Am 21. Januar schließlich trat Coulson von seinem Amt als Pressesprecher zurück.

Am 7. Juni 2011 wurde einer der Betroffenen, der britischen Schauspielerin Sienna Miller von einem Gericht in einem Vergleich ein Schadenersatz von £100.000 zugesprochen. Sie ist die erste der Betroffenen, die einen Schadenersatz von der Zeitung erhalten hat. In den folgenden Wochen folgen mehrere weitere Prominente, die einen Schadenersatz zugesprochen bekommen.

Im Laufe des Juni kam es zu mehreren weiteren Festnahme bezüglich des Skandals, als, wiederum der Guardian, am 4. Juli 2011 die Bombe platzen ließ: Die News of the World hatte sich im Jahre 2002 die Zugangsdaten zum Mobiltelefon des 13-jährigen Entführungsopfers Milly Dowler verschafft. Dowler war am 21. März 2002 auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Die Polizei ging von Beginn an von einem Gewaltverbrechen aus. Tatsächlich war Dowler entführt, sexuell missbraucht und anschließend getötet worden. In der Zwischenzeit hatte die Redaktion der News of the World sich Zugang zur Voicemailbox von Milly verschafft, und dort nicht nur Nachrichten abgehört. sondern auch regelmäßig Nachrichten gelöscht, wenn die Box voll war. Dies nährte sowohl bei Millys Eltern, als auch bei der Polizei, die Hoffnung, dass Milly noch am Leben sein könnte. Erst als am 18. September ihre Leiche entdeckt wurde, bestätigten sich die Befürchtungen.

Gestern wurden Clive Goodman und Andy Coulson, sowie ein weiterer, nicht näher genannter Mann, wegen dieser Sache verhaftet.

Wegen des enormen Drucks hat man sich bei News International nun entschieden, die News of  the World sterben zu lassen.

Pressefreiheit ist ein enorm hohes Gut, und sie muss von Politik und Gesellschaft geschützt und behütet werden. Aber auch die Journalisten selbst tragen eine Verantwortung: Die Pressefreiheit nicht zu missbrauchen, um aus dem Leben und Leiden anderer ein Geschäft zu machen. Ein Missbrauch dieser Freiheit von so ungeheuerlichem Ausmaß, wie die News of the World ihn hier gezeigt hat, schadet der Pressefreiheit ebenso viel wie jeder Diktator es könnte. Es bleibt die Hoffnung, dass wir alle unsere Lehren ziehen. Der Boulevardjournalismus, der lernen muss Grenzen einzuhalten, und dass nicht alles was man erfährt auch eine Nachricht ist. Aber auch wir, die Leser, sollten in uns gehen. Sind wir es doch, die -das darf nicht vergessen werden- Zeitungen wie der News of the World ihr Trieiben überhaupt erst ermöglichen, sind wir es doch, die nach Geschichten über Stars und Sternchen, über tragische Schicksale und über das Sterben der Menschen gieren. Das sind wir den Eltern von Milly Dowler schuldig; und uns selbst.

 

 

P.S.: …und wir haben immer noch kein anständiges Wahlrecht

In eigener Sache

Nachdem ich schon zuvor ein paar Probleme mit dem Serendipity Blog-System hatte, habe ich nach einem Crash heute das Blog neu aufgesetzt. Diesmal verwende ich wieder WordPress, in der Hoffung, dass es nun stabiler läuft.

In den Kommentaren ist ab sofort eine Captcha-Funktion eingebaut, was aber niemanden abhalten soll, fleißig zu kommentieren. Das Captcha ist nur wegen dem Spam. So viel, dass sich ein Askimet-Abo lohnt, ist hier noch nicht los.

Wenn ich die Wahl hätte…

Seit heute, dem 01.07.2011 befindet sich Deutschland in einer Staatskrise, ja man mag sogar von einem Notstand sprechen. Allein, erstaunlich wenig Menschen scheinen das zu bemerken. Seit dem 01.07.2011 hat die Bundesrepublik Deutschland kein Wahlgesetz mehr. Würde die schwarz-gelbe Koalition in Berlin morgen scheitern (was bei der Chaotentruppe ja nicht auszuschließen ist), wir könnten nicht verfassungskonform eine neue Regierung wählen.

Die Geschichte beginnt nach der Bundestagswahl im September 2005. Nach eingehender Prüfung der Wahlergebnisse legten mehrere Bürger eine Wahlprüfungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. Speziell wurde eine Besonderheit des deutschen Wahlrechts gerügt: Bei einer Bundestagswahl wird die Hälfte der Sitze über Direktmandate vergeben, d.h. die Wähler wählen einen Kandidaten aus ihrem Wahlkreis. Die andere Hälfte der Sitze werden aus einer von den Parteien gewählten Kandidatenliste vergeben, der Wähler wählt hier seine bevorzugte Partei.

Bei einer Bundestagswahl hat jeder Wähler also zwei Stimmen, eine für einen Kandidaten aus seinem Wahlkreis, und eine für eine Partei. In früheren Wahlen hat dieses System gut funktioniert, da die meisten Wähler ohnehin einen Direktkandidaten derjenigen Partei mit der Erststimme gewählt haben, der sie auch ihre Zweitstimme gegeben haben. Genau das ist aber bei den jüngsten Wahlen verstärkt nicht mehr passiert. Dies führt im Extremfall dazu, dass eine Partei weniger Stimmenanteile, und damit weniger Sitze im Parlament, hat, als Direktkandidaten in den Bundestag gewählt wurden. Das bisherige Wahlrecht sieht dann vor, dass es zu sogenannten Überhangmandaten kommt. Bei Wahlrecht.de sind die Gründe, die zu so einer Konstellation führen können, sehr detailliert aufgeführt.

Eine der Konsequenzen die das haben kann ist das sog. negative Stimmgewicht. Erlangt eine Partei z.B. in einem Bundesland alle Direktmandate, hat aber in diesem Bundesland weniger Zweitstimmen, als dafür nötig wäre, entsteht ein Überhangmandat. Geht man davon aus, dass die Partei in einem zweiten Bundesland ebenfalls Mandate erlangt, darf dieses Überhangmandat natürlich das Stimmgewicht aus einem anderen Land nicht verändern; sonst würden im zweiten Land Stimmen ein geringeres Gewicht haben, bzw. verfallen. Die Anzahl der Mandate wird daher so gerechnet als gäbe es das Überhangmandat nicht. Die Partei enthält damit durch das Überhangmandat einen Sitz mehr, als ihr nach der Stimmenverteilung eigentlich zusteht. Für die Wähler einer anderen Partei, die keine Überhangmandate erlangt, bedeutet dies, dass die Wahl dieser Partei dazu führen kann, dass ein Kandidat der anderen Partei einen Sitz erlangt.

Genau diesen Umstand hatten die Beschwerdeführer beklagt. Das Bundesverfassungsgericht hat zwar der Beschwerde selbst in seiner Entscheidung vom 3. Juli 2008 zurückgewiesen (um nicht die Wahl nach Ablauf der Legislatur noch ungültig zu erklären), das Wahlgesetz jedoch für verfassungswidrig erklärt. Das Urteil gibt der Bundesregierung eine Frist bis zum 30. Juni 2011 um ein neues, verfassungskonformes Wahlgesetz zu verabschieden. Diese Frist wurde eingeräumt, obwohl zwischen dem Urteil und der Frist noch eine Bundestagswahl stattfand. Die lange Frist war sicher nicht verkehrt, denn das Thema ist sehr komplex, und der Gesetzgebungsprozess sicher nicht einfach.

Und nun kommt der Skandal: Nach diesem Urteil passierte nahezu drei Jahre lang gar nichts. Weder die alte, noch die aktuelle schwarz-gelbe Regierung hatte in der Zwischenzeit den Versuch unternommen, das Wahlrecht gemäß den Vorgaben des höchsten deutschen Gerichts anzupassen.

Ein wirkliches Interesse haben die Parteien, besonders CDU und SPD, an einer Änderung des Wahlrechts auch nicht, waren sie doch die Profiteure des bisherigen Regelung. Der erste Gesetzentwurf wurde im Bundestag am Abend des 30.06.2011, wenige Stunden vor Ablauf der Frist, in den Bundestag eingebracht. Wie so vieles, was diese Regierung angefasst hat, ist dieser Entwurf -man entschuldige meine Wortwahl- absoluter Murks. Gemäß dem Vorschlag (pdf) von Union und FDP ist einfach die Zuteilungsreihenfolge der Mandate umzukehren. Anstatt, wie bisher, die Stimmen zuerst an die Parteien, und dann auf die Bundesländer zu verteilen, sollen die Stimmen zuerst auf die Länder verteilt werden, und dann an die einzelnen Parteien gehen. Weniger Überhangmandate gibt es deswegen nicht, was wohl auch beabsichtigt ist, war die Union doch in der Vergangenheit oft Profiteur der zusätzlichen Sitze. Das Problem der negativen Stimmgewichte beseitigt der Vorschlag hingegen nicht. Stattdessen wird es eher noch schlimmer, denn die Lösung schafft noch eine weitere mögliche Ursache für ein negatives Stimmgewicht. Wahlrecht.de beschreibt das so:

Auch negatives Stimmgewicht durch Überhangmandate lässt sich
dadurch nicht beseitigen: Eine Stimme für die CDU im überhängenden
Sachsen kann immer noch einen Sitz (im Falle negativen Stimmgewichts
einen CDU-Sitz) aus einem anderen Bundesland nach Sachsen kippen lassen,
der sich für Sachsens CDU wegen des Überhangs nicht auswirkt, in einem
anderen Bundesland aber (beispielsweise Nordrhein-Westfalen) einem
CDU-Abgeordneten einen Sitz kostet.

Da der Sitz in dem anderen Land auch an eine andere Partei gehen kann, gibt es nun noch eine weitere Möglichkeit, wie ein negatives Stimmgewicht entstehen kann.

Die Tatsache, dass die Bundesrepublik seit heute ohne ein gültiges Wahlrecht dasteht, ist für sich genommen schon schlimm genug, aber das unsere Regierung es wagt, dermaßen verspätet, ein so vermurkstes Gesetz vorzuschlagen schlägt dem sprichwörtlichen Fass den Boden aus!

 

Schreibt ordentlichen Code!

Gestern hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich das neue Nationale Cyber-Abwehrzentrum offiziell eröffnet. Das klingt erst mal nach James Bond und Hacking, ist aber auf den zweiten Blick eher unspektakulär. In diesem Zentrum arbeiten Experten des BSI,des Bundeskriminalamtes, des Bundesnachrichtendienstes, des Bundesamts für Verfassungsschutz, des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katasrophenhilfe sowie der Bundespolizei, der Bundeswehr und des Zollkriminalamtes.

Hans-Peter Friedrich umreißt die Aufgaben des Zentrums so:

„Wo immer ein Schadprogramm auftaucht, analysieren wir es im
Cyber-Abwehrzentrum: Wie ist seine Wirkungsweise? Welche Gegenwehr ist
denkbar? Die entwickeln wir“

Das klingt in meinen Ohren arg nach dem, was die Hersteller von Antiviren-Software so tun. Ob die sich wohl über die staatlich finanzierte Konkurrenz freuen? Bedenkt man, dass es Antiviren-Programme schon seit den achtziger Jahren gibt, klingt dieser Ansatz nicht sehr vielversprechend. Schließlich hat die Antiviren-Software gegen viele Attacken nicht geholfen. Generell hat dieser Ansatz den Nachteil, dass er immer nur aus Reaktion besteht.

Wäre es nicht sinnvoller, anstatt auf Angriffe zu reagieren, intensiver daran zu forschen, wie man Code schreibt, der weniger anfällig für Angriffe ist? Die fehlerfreie Software gibt es nicht, dafür ist Softwareentwicklung viel zu komplex.

Aber es sind immer wieder die selben Lücken, die ausgenutzt werden. Ein Großteil der Angriffe auf Webseiten läuft über sogenannte SQL-Injection-Angriffe, bei denen ein Befehl zur Datenbankabfrage in ein übertragenes Feld eingefügt wird. Viele Programme sind noch immer anfällig für Buffer-Overflow Angriffe, bei denen Zeichenketten übergeben werden, die länger sind, als vom Programmierer vorgesehen.

Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Angriffe, die im großen und ganzen darauf aufbauen, dass Programmierfehler sich ausnutzen lassen, um sich Zugang zu einem System zu verschaffen.

Hinzu kommt, das vielerorts das Bewusstsein für Softwaresicherheit nicht vorhanden ist. Unternehmen und Behörden wollen, dass die Software möglichst leicht zu bedienen ist, die gewünschten Ergebnisse liefert, und dabei am besten nichts kostet. Bei den Herstellern sieht es nicht anders aus: Qualitätssicherung spielt, besonders bei mittelständischen Unternehmen meist, eine untergeordnete Rolle; sie ist zu teuer. Wenn überhaupt eine Kontrolle stattfindet, dann wird geprüft, ob das Programm tut, was es soll, und dabei nicht abstürzt. Sicherheitstests kommen in der Regel gar nicht vor.

Im Bereich der Unternehmenssoftware sind manche Unternehmen dazu übergegangen ihre Entwickler -ähnlich wie in der Versicherungsbranche- nach einem Prämienmodell zu bezahlen. Neben einem -mageren- Grundgehalt erhalten die Entwickler Prämien, wenn sie die vorgegebenen Termine einhalten. Dies führt natürlich dazu, dass die Entwickler nur noch versuchen ihren Termin zu halten (der meist sehr knapp kalkuliert ist), Sicherheitserwägungen spielen dann keine Rolle mehr, und die allgemeine Codequalität lässt dann auch oft genug zu wünschen übrig.

„Schreibt endlich ordentlichen Code!“, möchte man den Verantwortlichen gern zurufen. Wenn ein Cyber-Abwehrzentrum was bringen soll, muss es hier ansetzen. Bekannte Lücken bekämpfen ist eine Sache, viel wichtiger ist es aber, an Techniken zu forschen, die sicheren Code ermöglichen, Entwicklern die Arbeitsbedingungen zu schaffen, unter denen eine saubere, auf Sicherheit ausgelegte Konzeption machbar ist. Und nicht zuletzt: Das Bewusstsein bei Anwendern und Entscheidern zu stärken.

Ansonsten ist der „Cyber-War“ schon verloren.

Veena Malik wipes the floor with Mufti Sahib

Die pakistanische Schauspielerin, Entertainerin und Menschenrechtsaktivistin Veena Malik wurde, nach ihrer Teilnahme an der indischen Sendung Big Boss, einem Big Brother ähnlichen TV-Format, auf dem pakistanischen Sender Express News TV in der Sendung Frontline interviewed. Das Interview geriet ziemlich schnell zu einem Frontalangriff auf die 26-jährige Schauspielerin, als der zugeschaltete Mufti Sahib sie wegen ihres Auftritts in der Big Boss Show „unmoralischen“ und „unislamischen“ Verhaltens wegen angreift. Spätestens an dem Punkt an dem er ihr vorwirft, nicht einmal ihre eigenen Kinder würden später ein Bild ihrer Mutter auch nur betrachten wollen, wird geht es hat unter die Gürtelline. Der darauffolgende Wutausbruch von Frau Malik ist nicht nur verständlich, sondern auch treffend. Offenbar empfindet das auch der Mufti so, der über weite Teile ob der Schelte eher hilflos als kämpferisch wirkt.


Ich bewundere den Mut von Veena Malik. Sich in einem Land, in dem Politiker ermordet werden, weil sie sich für Religionsfreiheit einsetzen, so für seine Rechte einzutreten, ist tapfer.

Dem Mufti, der mehrmals sagt, dass es ihm um das Ansehen seines Landes in der Welt ginge, sei gesagt: Leute wie er schaden dem Ansehen Pakistans in der Welt viel mehr als Veena Malik, denn sie sind es die erst den Eindruck erzeugen, Pakistan sei eine rückständige Steinzeitgesellschaft. Die Menschen in der restlichen Welt begrüßen viel eher das bunte, moderne Pakistan von Veena Malik. Selbst wenn diese bei Big Brother auftritt.

 

86 Cent

Nachdem ich nun seit 2009 auf Daniels Blog evildaystar.de mitschreibe kommt nun plötzlich ein eigenes Blog. Wieso das?

Entstanden ist die Idee aus der Debatte um die Vorratsdatenspeicherung: Nachdem das Bundesverfassungsgericht in seiner Entscheidung vom 2. März 2010 das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung für nichtig erklärt hat, hat die Bundesrepublik die die EU-Richtline nicht mehr umgesetzt, was nach EU-Recht Strafzahlungen zur Folge hat.

Der AK-Vorrat hatte mal ausgerechnet, dass die Strafzahlungen pro Bundesbürger ca. 0,86€ pro Jahr betragen würden. Die Schweden haben sich entschieden, diese Summe aufzubringen.

Diese 86 Cent sind, so die Idee, ein geringer Preis für die Freiheit. Der Preis der Freiheit, das ist auch, glaubt man einem verbreiteten Sprichwort (das gerne Thomas Jefferson zugedchrieben wird, wohl aber eher von  Wendell Phillips stammt), ist ewige Wachsamkeit.

Dieses Blog soll mein bescheidener Beitrag werden, zu eben dieser Wachsamkeit.