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Gerade hat Netzpolitik.org ein Papier (pdf) der Musikindustrie veröffentlicht, dass eigentlich geheim bleiben sollte. Laut dem Artikel bei Nettzpolitik wurde das Papier versehentlich veröffentlicht.

Eigentlich steht da auch nichts drin, was wir nicht schon längst wüssten. Die Wunschliste der Musikindustrie umfasst von Netzsperren bis Deep Packet Inspection und Klarnamenzwang alles was die feuchten Überwachungsträume hergeben.

Eines findet sich in den Papieren allerdings nicht: Die Forderung nach kundenfreundlichen Plattformen für Menschen, die sich Musik auf legalem Wege beschaffen wollen.

Ich selbst kaufe mir gern Musik, und ich möchte meine Lieblingssongs auf legalem Wege erwerben können. Nachdem ich mich bei Anbietern wie iTunes nicht recht wohl gefühlt habe, und ausserdem den Kauf mit meiner Linux Hardware tätigen möchte, bin ich inzwischen bei Amazon gelandet. Die Preise unterscheiden sich nicht wirklich von anderen Anbietern, und man braucht keine Apple-Hardware. Tatsächlich bietet Amazon sein Download-Tool (das man zum Kauf braucht) für Linux an, sodass der Kauf mit einem Plugin z.B. in Banshee recht einfach zu bewerkstelligen ist.

Umso erfreuter war ich, als ich erfuhr, dass es die Shop-Software auch für Android gibt. In Kombination mit SoundHound, einemt Tool das Musik identifiziert, ist das Klasse für mein neues Android-Handy. Unterwegs einen Song gehört, den man schon immer mal haben wollte, mit einem Klick identifiziert, den „Kaufen“ Button geklickt, und schon hat man ihn auf dem Handy.

So zumindest in der Theorie. In der Praxis findet die App von Amazon zwar den Song, erklärt mir dann aber, dass ich ihn leider nicht kaufen darf: Da meine Spracheeinstellungen auf „Englisch“ stehen, versucht die App sich nämlich auf dem britischen Store anzumelden, und da darf ich nicht einkaufen.

Die einzige Möglichkeit in den deutschen Store zu gelangen, ist es, das Programm zu beenden, und die Sprache meines Telefons auf „Deutsch“ umzustellen. Was soll so ein Blödsinn? Nun sehe ich ja ein, dass ich vermutlich einer Minderheit angehöre, weil ich bei meinen Geräten eine englischsprachige Benutzeroberfläche bevorzuge, aber wieso in aller Welt, meint Amazon mir vorschreiben zu können, in welche Sprache ich mein Telefon zu benutzen habe. Das die App anhand der Spracheinstellungen den Default-Shop auswählt, ist ja sinnvoll, aber wieso kann ich das in den Einstellungen nicht ändern? Eine einfache Drop-Down Box in den Settings hätte es ja getan.

Noch mehr wurmt mich allerdings, wieso ich nicht im britischen Shop Musik-Downloads kaufen darf. Immerhin ist Großbritannien ja in der EU! Ich weiß, dass ist nicht die Schuld von Amazon, sondern die der Musikindustrie. Es ist für mich aber keineswegs einzusehen, warum ich die Musik bestimmter Künstler, die in Deutschland mitunter gar nicht verkauft wird, nicht in Großbritannien kaufen darf. Die CD bestellen geht ja auch. Und ein britischer Künstler, der in Deutschland nicht vermarktet wird, wird sich sicher nicht ärgern, wenn ein paar Leute aus Deutschland seine Songs kaufen.

Solange sich an dieser kundenfeindlichen Politik nichts ändert, und man an den Wunschsong einfacher über einen Torrent-Tracker kommt, als über den Handel, werden alle Verbote und Netzsperren rein gar nichts bringen.