Der Erste Weltkrieg findet nicht statt -jedenfalls nicht im Fernsehen

Heute vor genau 100 Jahren begann, mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Belgien, der erste Weltkrieg. Einen Tag nachdem die deutsche Reichsregierung Frankreich den Krieg erklärt hatte.

Zur Erinnerung an den Kriegsausbruch, und im Gedenken an die gefallenen Soldaten, finden überall in Europa Gedenkfeiern statt, so auch  auf dem Militärfriedhof in Saint-Symphorien in Belgien. Auf dem Friedhof sind britische und deutsche Soldaten begraben.
Das Besondere an diesem Ereignis ist, dass neben Staatsoberhäuptern aller beteiligten Nationen, darunter unser Präsident, auch die Nachfahren der Soldaten da sind.

Die BBC überträgt das Ereignis live, und hat -bereits den ganzen Tag über- Programme zum Thema gebracht.
Wer fehlt, sind ARD und ZDF. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben die Berichterstattung über die Erinnerungsfeiern zu Phönix verbannt. Dort darf der ZDF-eigene Geschichtsexperte Guido Knopp seit heute mittag um 13 Uhr, den vermutlich nicht sehr zahlreichen Zuschauern den 1. Weltkrieg erklären. Die Übertragung der Gedenkfeier muss um 21:45 dem „Heute-Journal“ weichen.
Die ARD zeigt im „Sommerkino“ die Komödie „Working Mum“ und das ZDF beglückt die Zuschauer mit einem Krimi.

Angesichts der Bedeutung des Kriegsausbruchs, der oft „die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ genannt wird finde ich das, ehrlich gesagt, etwas mager.
Es geht bei solchen Ereignissen, gerade in Saint-Symphorien ja nicht darum, irgendwelchen Krieg zu glorifizieren, sondern im Gegenteil, der Toten zu gedenken und über die Lehren des Krieges zu reflektieren. Gerade in unseren Tagen, mit Kriegen in Nahost und der Ukraine, ist es wichtig sich die Zeit zu nehmen aus der Geschichte zu lernen.

Die BBC hat im Jahr 2014 dem ersten Weltkrieg schon etliche Sendestunden gewidmet, mit Dokumentationen und Spielfilmen. Im deutschen Fernsehen dagegen, wird die Erinnerung in die Spartenkanäle verbannt. Ich finde, dass ARD und ZDF gerade  zeigen, warum sie eigentlich nicht mehr in der Lage sind, ihren Bildungsauftrag zu erfüllen. Informationsprogramme und Gedenkveranstaltungen für einen Krieg, der bis heute das Gesicht Europas prägt, gehören ins Hauptprogramm in der Prime-Time!