Logik der Gewalt

Nach den fürchterlichen Morden an den Redakteuren des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo gestern ist viel gesagt und geschrieben worden. Leider auch viel Unsinn. So hat die CSU es gerade einen Tag lang ausgehalten pietätvoll die Klappe zu halten, bevor sie die Tragödie für ihre Forderung nach der Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung aus der Mottenkiste geholt hat. Der CSU-„Sicherheitsexperte“ Hans-Peter Uhl fordert dazu gleich auch noch ein Sondergesetz im Strafrecht, dass es erlaubt Menschen zu bestrafen, die beabsichtigen „das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören“; und sei es duch ihre bloße Existenz.

AfD und Pegida sehen sich in der Ablehnung aller hilfesuchenden Menschen bestätigt (von denen die Mehrheit vor eben jenen Killern auf der Flucht ist, die für das Blutvergießen bei Charlie Hebdo verantwortlich sind), und erklären den Schulterschluss mit denen, die sie noch gestern verächtlich als Lügenpresse beschimften.

In Frankreich fordern Politiker verschiedener rechter Parteien derweil, muslimischen Bürgern die Staatsbürgerschaft zu entziehen, und Marine LePen, Chefin des Front National fordert mal wieder die Einführung der Todesstrafe.

Alle diese Reaktionen waren zu erwarten. Und alle sind sie falsch. Natürlich muss der französische Staat alles in seiner Macht stehende tun, um die Mörder zu finden und zu bestrafen. Aber mit Panik, oder drakonischen Forderungen erfüllt man die Erwartungen der Terroristen. Anstatt sich zu wehren, fallen alle Beteiligten auf die Logik des Terrors herein, und spielen den Jihadisten so in die Hände.

Auch wenn der Hass der Angreifer vielleicht aus der Wut der vermeintlichen „Ehrverletzung“ ihres Propheten geschürt war, ist die Motivation doch eine völlig andere: Die meisten Muslime auf der Welt interessieren sich nicht für den heiligen Krieg. Sie wollen, wie knapp 6 Milliarden andere Menschen auch, ein halbwegs gutes Leben führen, ein kleines Stückchen Glück und das ihre Kinder es einmal besser haben werden. Viele sind in Länder wie Frankreich oder Deutschland eingewandert, andere sind von Geburt Deutsche oder Franzosen. Wenn man diese für den heiligen Krieg gewinnen will, muss man sie erstmal von ihrem Land entfremden, einen Keil zwischen sie und ihre Landsleute treiben.

Dies ist der wahre Grund für die Morde von Paris. Wir Nicht-Muslime sollen die Muslime verdächtigen, sie fürchten und sie auszugrenzen; und die Muslime sollen lernen uns dafür zu hassen. Dann besteht die Chance, dass einige der einheimischen Muslime sich irgendwann, aus Wut oder Verzweiflung, den Jihadisten anschließen, und sich gegen ihre eigenen Mitbürger wenden. Es ist ein Angriff gegen uns alle, im Besonderen auch, gegen die Muslime die in Frankreich und anderen westlichen Ländern leben, und die von den selbsternannten Gotteskriegern als Waffen missbraucht werden sollen.

Deshalb kann die Antwort auf die Gewalttat von Paris nicht sein, Gesetze zu verschärfen, und Muslime unter Generalverdacht zu stellen. Stattdessen sollten wir gemeinsam auf die Straßen gehen und den Islamisten zu zeigen, dass wir sie nicht fürchten. Dazu bedarf es Mut. Mut den ich vor allem bei unseren Politikern vermisse. Bei aller Trauer, wo bleiben die Stimmen  deutscher oder französischer Politiker, die sagen: „Wir werden uns das nicht bieten lassen! Wir werden nicht weichen, und wir werden unsere Freiheit nicht aufgeben!“

Merken Leute wie Hans-Peter Uhl und Wolfgang Bosbach nicht, welche Botschaft sie mit ihren Forderungen nach ständig neuen, immer absurderen Sicherheitsgesetzen senden? Dass der freiheitliche Rechtsstaat nicht mit einer Bande gemeiner Meuchelmörder fertig wird?

Das ist nicht das Bild, dass ich in diesen dunklen Tagen abgeben möchte. Zeigen wir denen, dass wir vor der Gewalt nicht einknicken, dass sind wir den Mitarbeitern von Charlie Hebdo und ihren Angehörigen schuldig!

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