Alles Nazis – überall

Der MSPr0 hat in seinem Blog einen Rant über die FSA am letzten Samstag geschrieben. Die einzelnen Kritikpunkte zur Veranstaltung kann nicht wirklich beurteilen, ich bin dieses Jahr nicht dabei gewesen, weil ich dieses Wochenende noch damit beschäftigt war, wieder auf der richtigen Straßenseite zu fahren.

Neben diversen Sachen, die MSPr0 ankotzen stört er sich an dem Datenkraken:

Klar, die Datenkrate der Digitalcourage, die immer noch nicht verstanden hat, was struktureller Antisemitismus ist, durfte nicht fehlen.

Dieser Satz hat bei einigen Kommentatoren offenbar ein paar Fragezeichen hinterlassen, was dann auch geäußert wurde. Leider hat MSPr0 die Kommentarfunktion unmittelbar nach dem ich meinen Versuch das zu erläutern in die Kommentare gepostet habe, geschlossen. Mein Kommentar wurde entsprechend nicht veröffentlicht. Entweder ich war einfach zu spät dran (eine Fehlermeldung kam von WordPress nicht), oder aber MSPr0 möchte meine Aussage dazu nicht auf seinem Blog-Lesen. Was davon zutrifft, weiß ich nicht.

Da kann ich dann wenig dran machen, ich finde es aber trotzdem nach wie vor wichtig, das Thema mit dem Krakenmotiv nicht unkommentiert zu lassen. In dem Originalartikel ist jedenfalls mit keinem Wort die Rede davon, warum, das Motiv vorbelastet ist. Scheinbar gibt es hier Klärungsbedarf. Einfach die Kommentarfunktion auszuschalten, beantwortet die Frage ja nicht.

Also: 1938 erschien in der antisemitischen Wochenzeitschrift Der Stürmer dieses Bild des Zeichners Josef Plank:

Antisemitische Karikatur aus dem "Stürmer"

Die Verwendung des Krakenmotivs als Symbol für eine alles erdrückende jüdische Weltverschwörung ist dabei keine Erfindung der Nazis, es hat sie in vielfacher Form bereits früher gegeben. Robert Hampicke hat bei der Publikative bereits im Jahre 2010 einen Beitrag verfasst, damals im Zusammenhang mit der verunglückten ACTA-Kamange der Piratenpartei.

Wie auch Hampicke feststellt, ist das Motiv des mit seinen Fangarmen alles umschlingenden Kraken nicht allein von Antisemiten verwendet worden. Das Symbol steht dabei ganz allgemein für eine alles erdrückende Übermacht. Es wurde z.B. auch schon gegen den Kommunismus eingesetzt. Die ACTA-Kampange von 2010 krankte vor allem daran, dass das Motiv extreme Ähnlichkeit mit dem von den Nazis verwendeten Motiv hatte. Eine Erklärung, was der Krake zu bedeuten hat, war dem Plakat nicht wirklich zu entnehmen. Die ungute Assoziation, auch wenn sie unbeabsichtigt war, war bei dem ACTA-Plakat vorprogrammiert.

Bei der Datenkrake von DigitalCourage ist der Zusammenhang nicht so offensichtlich, das Bild des Kraken, dessen viele Tentakel bis in jeden Winkel reichen, als Sinnbild für die grenzenlose Datenspionage zu verwenden liegt ja zunächst erstmal nahe. Dennoch ist bei der Verwendung des Bildes natürlich Obacht geboten, zumal das Motiv -zum Beispiel durch Israel-feindliche Darstellungen im nahen Osten, immer wieder auftaucht, und auch in deutschen Medien vorkommt.

Datenkrake der DigitalCourage e.V.

Alles in allem finde ich die Datenkrake wesentlich unproblematischer als das ACTA-Plakat, weil diese sehr deutlich und unmissverständlich an einen bestimmten, eben nicht antisemitischen, Kontext gebunden ist. Dass es offenbar genug Leute gibt, die sich der Belastung dieses Motivs nicht bewusst sind, finde ich dennoch erschreckend.

Allerdings finde ich die pauschale Unterstellung, die Nutzer des Datenkrake-Motivs seien  alles Antisemiten etwas arg weit hergeholt. Der Aufklärung dient das jedenfalls nicht.

In eigener Sache möchte ich noch anmerken, dass der Verweis auf die Zeichnung von Plank nur der Illustration des geschilderten Problems dient, und ich mir nationalsozialistische Inhalte dadurch keineswegs zu eigen mache. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber scheinbar kann man inzwischen im Netz nicht mehr über Nationalsozialismus schreiben, ohne dass man gleich für einen Nazi gehalten wird.

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