Ein fatales Recht

Der Bundesgerichtshof hat festgestellt, dass die Verwetungsgesellschaft Wort keine Gelder mehr pauschal an Verlage ausschütten darf. Damit hat das Gericht festgestellt, dass die jahrelange Praxis der Gesellschaft, die Hälfte ihrer Einnahmen pauschal an die Verlage auszuschütten, rechtswidrig war.

In der Zeit findet Wiebke Porombka das fatal. Und zwar weil ich ein kulturloser Analphabet bin. Aber von Anfang:

Martin Volgel, in Autor wissenschaftlicher Werke hatte gegen die Praxis geklagt. Die VG Wort war durch alle Instanzen gegangen, und hat nun verloren. Je nachdem inwieweit Autoren nun Rückforderungen stellen kann das für Verlage teuer werden. Nicht nur fehlen Einnahmen, auf die man sich bisher verlassen konnte, es könnte auch zu Rückforderungen kommen, die für manchen Verlag existenzbedrohend sein können. So sieht es zumindest die Verlagsbranche, für die Frau Prorombka kommentiert. DaS Horrorszenario dürfte allerdings arg übertrieben sein. Kaum ein Autor wird den Verlag in den Ruin treiben, der seine Bücher verkauft. Schließlich beißt man nicht die Hand die einen füttert. Es wird Verhandlungen geben, und einen Kompromiss, mit dem am Ende alle leben können.

Porombka sieht das in ihrem Kommentar anders. Sie nennt die Richter kurzsichtig und schreibt:

Der BGH tut damit so, als wären die Arbeit von Verlagen und jene der Autoren zwei voneinander getrennte Bereiche, die man auch getrennt voneinander beurteilen könne. Das ist ein großer Irrtum, denn Verlage ermöglichen doch erst die Existenz und Weiterentwicklung von Autoren. Wo das BGH-Urteil auf Zustimmung stößt, da kann diese nur von denjenigen kommen, die blind sind für das, was die Arbeit von Verlagen ausmacht und bedeutet.

Nun schreibt sie offensichtlich für die Verleger, aber dass dieser Absatz ziemlicher Unsinn ist, sollte eigentlich offenkundig sein. Der Bundesgerichtshof tut nicht so als ob die Beziehung zwischen Autoren und Verlagen nicht existierte, er wendet geltendes Recht an. Und im Urheberrecht findet sich nun mal keine Grundlage für solch eine Pauschalabgabe. Das bedeutet im Übrigen keineswegs, dass eine Beteiligung der Verlage, wie Frau Porombka behauptet, in Zukunft praktisch verboten sei.

Selbstverständlich können Autoren und Verlage vertraglich vereinbaren, dass die Verlage auch an den Ausschüttungen der VG Wort beteiligt werden. In unserem Lande gilt schließlich die Vertragsfreiheit. Nur muss das eben im Einzelfall passieren, einen Freifahrtschein gibt es nicht.

Ob man das nun gut oder schlecht findet, hängt sicher von der Perspektive ab, das Geflecht aus Abhängigkeiten zwischen Verlagen und Autoren ist komplex, und -auch wenn sich das Verlagswesen gerade grundlegend verändert, ohne Verlage geht es derzeit sicher nicht. Aber, und da wird der Text von Frau Prorobka dann ärgerlich, anstatt für uns Leser dieses komplexe Geflecht ein bisschen zu entwirren, ergeht sie sich in der geradezu phantastischen Behauptung, die deutschen Verlage seien so eine Art Wohltätigkeitsclub, und würden gar keine Gewinne machen wollen:

Gerade kleine und mittelgroße Verlage fällen viele Entscheidungen aus ästhetischen und intellektuellen Überzeugungen, nicht aus kommerziellen: Sie veröffentlichen also im Sinne eines kulturellen Bildungsauftrags Bücher, deren künstlerischen Wert sie hoch einschätzen, von denen sie allerdings wissen, dass sich dieser finanziell nicht rechnen wird.

Um, nach dem kräftigen Druck auf die Tränendrüse, ordentlich die Publikumsbeschimpfung zu üben. Dem Zeitgeist folgend würden viele Leute als Selfpublisher auftreten, was vor allem verschleiere, dass eigentlich alle, die diesen Weg wählen, nicht schreiben können:

Ärgerlich daran ist die hinter Selbsttätigkeit verschleierte Bequemlichkeit, die nicht allen, aber doch vielen eigen ist: Mit der Kritik an dem, was man da schreibend verfasst hat, muss man sich erst gar nicht auseinandersetzen. Auch nicht mit der Kränkung, dass das, was man da verfasst hat, womöglich doch nicht so brillant ist, wie man es gerne hätte und deshalb nicht für literaturfähig erachtet wird.

Anders ausgedrückt: Alle Leute, die nicht für einen Verlag schreiben, sondern ihre Texte (so wie ich es, nebenbei bemerkt, auch tue), einfach so im Netz veröffentlichen, sind kulturlose Analphabeten, die so eitel sind, dass sie nicht einmal mit gerechtfertigter Kritik umgehen können. In diesem Zusammenhang möchte ich Frau Porombka einladen, ein Video an prominenter Stelle bei YouTube einzustellen, und sich dann eine Woche lang jeden Tag die Nutzerkommentare dazu durchzulesen.

In Frau Porombkas Welt können jedenfalls nur die erlesenen Literaturkenner in den Entscheidungsetagen der Verlage den literarischen Wert von Geschichten einschätzen. Die Autoren können das aus Voreingenommenheit dem eigenen Werk gegenüber nicht, und die Leser, weil sie zu blöd sind. Eben jene Leute, die den hohen literatischen Anspruch von Werken wie „Fifty Shades Of Grey“ besser erkennen als ich (Man könnte natürlich auch einfach zugeben, dass sich mit „Fifty Shades Of Grey“ prima Geld verdienen lässt. Für eine Firma ist Geld verdienen ja nicht beschämendes).

Ich möchte natürlich niemandem den Spaß an „Fifty Shades Of Grey“ verderben. Es gibt ja genug Menschen, denen die Geschichte gefällt. Ich traue, anders als Frau Porombka, Lesern nämlich durchaus zu, dass sie intelligent und alphabetisiert genung sind, dass sie selber entscheiden können, ob sie eine Geschichte Lesen möchten, oder nicht.